Kuschelabend
Der Kuschelabend wird im Moment nicht angeboten.
Das Konzept wird überarbeitet.
Kuschelparties - frisch aus Amerika importiert
In westlich orientierten Ländern ist der wärmende Körperkontakt auf ein Minimum reduziert und findet im Idealfall in den ersten Monaten einer harmonischen Beziehung statt. In anderen sozialen Kontakten wird Berührung wohlweislich vermieden. Kommt es durch Zufall mit Fremden zu einem ungewollten Streifen einer anderen Person, "ent-schuldigt" man sich. Wir wollen damit klarstellen, dass wir keine Absicht hegten auf diese Art nah zu kommen. Wir haben sozusagen "Schuld" auf uns geladen, weil wir in die körperliche Privatsphäre eines Wildfremden eingedrungen sind. Desto zivilisierter und höher die Kreise, umso distanzierter und höflicher ist das menschliche Zusammenleben geregelt.
ÜBERTRIEBEN?
Ich glaube nicht. Warten Sie auf ihren nächsten Ausrutscher, in dem ihr Fuß unvermittelt einen anderen streift!
Durch diese Art unseres Kontaktes, durch Angst vor Nähe ins Singledasein verbannt, sind wir ausgehungert nach menschlicher Wärme. So ist es kein Wunder, dass gerade in Amerika Kuschelparties gefeiert werden, um das Bedürfnis nach zärtlichem Zusammensein zu leben, zunächst ohne jede Verpflichtung.
MIT WILDFREMDEN? WIE SOLL DAS GEHEN?
Als ich im Februar auf der ersten deutschen Kuschelparty in
Kreuzberg bei Rosi und Adelheid war, beobachtete ich, wie ängstlich
und schüchtern die immerhin fast 50 Teilnehmer waren. Einige
meinten, sie hätten allen Mut zusammennehmen müssen,
um überhaupt zu kommen. Am Ende der Veranstaltung hatte sich
die Furcht aufgelöst und viele trugen ein Lächeln auf
dem Gesicht - das Wildfremde war aufgehoben.
Da ich seit fast 20 Jahren als Körperpsychotherapeutin arbeite,
erlebe ich täglich, wie viele Menschen es sehr bedauern,
dass sie zu isoliert leben. Sei es als Singles oder in Beziehungen,
die sich in einer Stagnation befinden.
So kann der Kuschelkurs ein gelungenes Experiment sein, um sich
wieder hinaus zu wagen, um seine Ängste zu spüren (was
der erste Schritt zum Kontakt ist) und im besten Fall vielleicht
sogar eine Person zu treffen, die man wirklich kennenlernen möchte.
Der Kuschelkurs richtet sich an jede und jeden, der sich davon angesprochen fühlt. Grenzen werden gewahrt, Sexualität ist bewusst ausgeklammert. Man braucht keinerlei Vorkenntnisse, keine Studien oder Ausbildungen, man braucht nur den Wunsch nach körperlicher Nähe und den Mut zu kommen.
Artikel von Silvia Bartz Kuscheln ist ein Grundbedürfnis Durch ein Inserat in der Zeitschrift Sein bin ich im August 2005 auf die Kuschelveranstaltungen von Lieselotte Diem aufmerksam geworden. Vom Lesen des Inserats bis hin zu meinem ersten Kuschelabend sind noch mal ein paar Monate vergangen, es kostete mich einige Überwindung dieses zwar reizvolle aber ungewöhnliche Angebot auszuprobieren. Der erste Kuschelabend war eine sehr intensive und schöne Erfahrung und es sollten ihm noch viele Abende folgen. Seit dieser Zeit hat das regelmäßige Kuscheln mein Leben auf sanfte Weise verändert und bereichert. Um was geht es beim Kuscheln? Kuscheln bietet die Möglichkeit einen wärmenden Körperkontakt zu erleben und die Isolation der Großstadt aufzulösen. In einer Gesellschaft, in der Menschen hauptsächlich Zuwendung aufgrund ihrer erbrachten Leistung erhalten, wird das Bedürfnis nach vorbehaltloser Liebe zu wenig erfüllt. Fühlen wir uns nur akzeptiert, wenn wir die an uns gestellten Erwartungen erfüllen, verlieren wir den Kontakt zu uns selbst und zu unseren wahren Bedürfnissen. Das kann weitreichende Folgen haben, wie sich "ausgebrannt" fühlen, Beziehungsstress, oder gar Krankheit und Depressionen. Achtsame, zärtliche Berührungen vermitteln ein Gefühl des Angenommenseins und Akzeptiertwerdens jenseits des Leistungsdrucks. Es ist immer wieder verblüffend, wie dankbar neue Teilnehmer das Kuscheln annehmen und erstaunt feststellen, wie relativ leicht es sich mit Fremden kuscheln lässt. Ein Kuschelabend dauert in der Regel drei Stunden, mit ungefähr 6 - 30 Teilnehmern. Am Anfang gibt es ein paar einleitende Übungen, um sich auf den Körperkontakt einzustellen, bevor das "Freie Kuscheln" beginnt. Bei allem ist wichtig, auf sein eigenes Gefühl zu hören, und nur die Berührungen zuzulassen, die sich angenehm anfühlen. Man lernt "nein" zu unliebsamen Kontakten zu sagen und ebenso ein "nein" zu akzeptieren. Und wenn man "ja" meint, kann man auch "ja" sagen. Mit der Zeit wird das Gespür für Berührungen immer feiner und einfühlsamer, sowohl für sich selbst wie für den anderen. Das Kuscheln bietet eine Möglichkeit zum Experimentieren auf der nonverbalen Ebene. Sexualität wird bewusst ausgeklammert. Als Erwachsene reduzieren wir unsere Körperkontakte fast ausschließlich auf Sexualität und versagen uns dabei den nährenden Anteil von Berührungen. Beim Kuscheln wird das Bindungshormon Oxytozin gebildet, welches uns in einen entspannten, glückseligen Zustand versetzt. Stress und Näheängste werden abgebaut und das Immunsystem gestärkt. Joachim Bauer beschreibt in seinem Buch "Das Gedächtnis des Körpers" die Wichtigkeit eines funktionierenden Immunsystems, um uns vor Krankheiten zu schützen. Somit ist Kuscheln auch unter dem gesundheitlichen Aspekt betrachtet, ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens, dem aber gemeinhin zu wenig Beachtung geschenkt wird. Oft liegen die Teilnehmer in einem "Kuschelhaufen", in einem Rudel von Wärme, was ein starkes Gefühl der Geborgenheit vermittelt. Nach einem Kuschelabend kann ich bei mir selbst feststellen, dass Aggressionen abgebaut wurden, der Kopf klarer war und ich Problemstellungen mit ganz neuer Energie entgegentreten konnte. Ich denke oft, wenn mehr Menschen kuscheln würden, gäbe es insgesamt weniger Gewalt. Bei regelmäßigem Kuscheln verändert sich auch das Verhalten im Alltag. Körperkontakte werden viel schneller angenommen und akzeptiert, man wird anderen Menschen gegenüber offener. Die Abende finden in einem geschützten Rahmen statt, in dem es in der Regel nicht zu Übergriffigkeiten kommt. Manchmal jedoch lösen die ungewohnten Berührungen starke Emotionen aus. Für diesen Fall steht Lieselotte Diem, die auch Körper- Psychotherapeutin ist, unterstützend zur Seite. Wer häufiger kommt, kann hier Kontakte knüpfen und möglicherweise neue Freundschaften schließen. Andererseits bieten die organisierten Kuschelabende die Gelegenheit zu unverbindlichem Körperkontakt. Das kann sehr entlastend sein, denn oft halten einen Beziehungsschwierigkeiten und Bindungsängste vom Kontakt ab. Oder man möchte eben noch nicht die Verbindlichkeiten einer festen Beziehung eingehen. Viele Menschen, die schon länger alleine leben, trauen sich gar keinen Körperkontakt mehr zu. Ein Kuschelabend kann ein guter Einstieg sein, sich dem wieder langsam anzunähern. Die Unverbindlichkeit der Kontakte kann ungünstigerweise auch dazu führen, Bindungsängste aufrecht zu erhalten. Man holt sich eben so viel an "Kuscheleinheiten" ab, wie man gerade zum Wohlfühlen braucht, geht aber keine tiefer gehenden oder längerfristigen Beziehungen ein. Kuschelveranstaltungen können kein Ersatz für Therapieangebote sein. Sie bieten eher die Möglichkeit, unser grundlegendes, wichtiges Bedürfnis nach nährendem Körperkontakt zu befriedigen. Wir können das alle ganz von alleine, es muss nicht erklärt werden. Nur die Schwellenängste und Vorurteile haben wir zu überwinden. Weitere Informationen: http://www.vegetotherapie-berlin.de/therapie/kuschelkurs.html